Trainingstagebuch

Puh, nach einer wirklich heißen, schwülen Sommerwoche mit 30 Grad hat es heute wieder abgekühlt. Schwül war es immer noch, aber mit 20 Grad deutlich angenehmer. Lukas hatte auf jeden Fall Lust, etwas zu machen. Ich habe ihn an der Heuraufe begrüßt und wollte erst mal seine Mähnenzöpfe aufflechten, doch statt in Ruhe weiterzufressen, ist er sofort zum Ausgang gegangen und hat dort auf mich gewartet.

Dann habe ich ihn erst mal mit der Massagebürste verwöhnt und wieder mal unzählige Härchen entfernt. Mal ehrlich, er verliert seit Januar Fell, irgendwann muss doch mal gut sein. Aber er genießt es immer so und zeigt mir deutlich die Stellen an, an denen es ihm besonders gut tut.

Für das „Gebisstraining“ habe ich mir heute etwas Neues ausgedacht. Vielleicht sollte ich vorher ein paar Worte dazu verlieren, was ich damit meine. Seitdem ich Lukas kenne, hat er Probleme damit, sein Gebiss ins Maul zu nehmen. Er kneift dann die Lippen fest zusammen, beißt die Zähne aufeinander und reißt den Kopf hoch. Seit Februar letzten Jahres versuche ich nun, ihn mittels Clicker daran zu gewöhnen, das Gebiss freiwillig zu nehmen. Damit ich mir meine eigenen Erfolge nicht selbst immer wieder einreiße, da ich ihn zwischendurch beim Reiten ja doch wieder zwingen musste, es zu nehmen, nutze ich für das Training ein Ledergebiss. Damit hat er noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Damals bin ich in unregelmäßigen Abständen noch geritten. Es tat mir immer wahnsinnig leid, dass ich das Gebiss nehmen musste, da ich das Gefühl hatte, irgendetwas daran tat ihm weh. Zwar wurde das angeblich bereits untersucht und nichts wurde gefunden, aber er muss auf jeden Fall schlechte Erfahrungen gemacht haben und sich daran erinnern. Jedenfalls habe ich mich per Clickertraining ganz langsam an das Problem herangetastet. Anfangs wurde er allein für das Schnuppern am Gebiss belohnt, mit der Zeit dafür, dass er eine Berührung mit der Lippe gesucht hat. Seit einigen Monaten sind wir nun soweit, dass er das Gebiss ganz freiwillig mit dem Maul greift und auch den Kopf nicht mehr hochreißt. Und seit einigen Wochen klappt das Anziehen des Zaumzeugs vollkommen problemlos und jedes Mal.

Trainingserfolge

Deswegen wollte ich heute mal was Neues ausprobieren und zwar sein richtiges Zaumzeug mit dem Eisengebiss. Da ich ihn ja nicht mehr reite, besteht keine Gefahr, dass ich zwischendurch mehrere Schritte überspringen muss. Wir fangen damit aber wieder fast bei Null an. Heute habe ich ihn dafür belohnt, dass er das Gebiss mit den Lippen berührt hat. Ich nehme an, dass wir aufgrund seiner vorherigen positiven Erfahrungen schneller vorankommen werden als mit dem Ledergebiss. Und falls nicht, weiß ich zumindest genau, dass es an der Eisenstange liegen muss und kann die Besitzer bitten, dass er generell ein Ledergebiss bekommt.

Dann ging es auf den Reitplatz. Heute war ich total alleine, es gab keine Pfützen und der Boden war nicht staubig. Es war also alles perfekt. Ich wollte meinen Trainingsplan befolgen. Ziel war es, ihn erst 10 Minuten im Schritt um den Platz zu longieren, dann weitere 10 Minuten etwas fleißiger mit einigen Trabeinheiten und dann ein Intervalltraining anzuschließen mit 10x Trab à 1 Minute und jeweils 40 Sekunden Pause.

Bereits die ersten Schritte zeigten deutlich, dass Lukas heute energiegeladener war als sonst. Er wollte partout nicht an der Straßenseite entlanggehen und suchte nach irgendwelchen Geistern. Wir haben es zwar 10 Minuten geschafft, aber entspannt war er nicht. Normalerweise brauche ich die Zeit, um ihn überhaupt in Gang zu bekommen. Deshalb habe ich beschlossen, den Kappzaum abzumachen und die nächsten 10 Minuten frei zu arbeiten. Ich dachte, dann kann er auch losrennen, falls ihm danach ist.

Tatsächlich, ihm war danach. Und war so richtig. Er war übermütig und hat mich herausgefordert. Dabei kommt er mir aber nie wirklich nahe, sodass es absolut ungefährlich ist. Man konnte die Energie, die heute in ihm steckte, richtiggehend spüren. Die 10 Minuten gingen vorbei, seine Energie war aber noch nicht abgebaut. Also hab ich noch ein paar Minuten drangehangen.

Erst danach habe ich den Kappzaum wieder umgeschnallt und mit dem Intervalltraining angefangen. Es hat erstaunlich gut geklappt, dafür, dass er vorher nur Geister gesehen hatte. Klar, am korrekten Abstand zwischen uns können wir noch arbeiten, aber er hat die Einheiten wirklich fleißig mitgemacht. Sogar seine Trabschritte waren heute raumgreifender als sonst. Ich hätte mir vielleicht gewünscht, dass er etwas entspannter läuft, aber das war heute wohl nicht drin. Macht nix. Das Training hat uns beiden heute einiges abverlangt, wir waren beide am Ende verschwitzt und außer Atem. Aber es hat total viel Spaß gemacht. Für solche Momente lohnt es sich, weiterzumachen

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