02.11.2025
Lukas lässt sich nicht gern berühren. Das fällt mir immer mal wieder auf, aber heute ganz besonders. Ich habe ihm erst mal kurz den Staub und getrockneten Matsch aus dem Fell gebürstet und wollte dann man mit den Händen und Fingern fühlen, ob ich irgendwo besondere Stellen finde. Besonders empfindlich, besonders warm, besonders kalt oder komische Strukturen unter der Haut. Aber so weit kam ich gar nicht, denn egal, wo ich Lukas berührte, er zeigte mir sehr deutlich, dass ihm diese Berührung unangenehm ist. Da ich persönlich Berührungen sehr genieße, kann ich mir nur vorstellen, dass er sich „in seiner Haut nicht wohlfühlt“ und eine Berührung deshalb unangenehm ist. Vielleicht gibt es ja eine andere Erklärung, ich habe nur momentan keine.
Nachdem ich letzte Woche aufgrund des Wetters fast nicht mit Lukas arbeiten konnte, war ich froh, dass es diese Woche besser aussah. Sonne, wenig Wind. Eigentlich richtig nettes Herbstwetter. Also bin ich frohen Mutes am Freitag zu einem Spaziergang aufgebrochen. Allerdings haben wir bereits nach der ersten Grasinsel umgedreht, weil Lukas angespannt und schreckhaft war. Als wir den Reitplatz betreten haben, ist er sofort losgerannt. Insgesamt trägt er gerade viel Energie in sich, anscheinend weiß er nur nicht, wie er diese gut kanalisieren kann. Und ich habe noch keine Lösung gefunden, wie ich ihm dabei helfen könnte. Also äußert sich diese Energie eher sprunghaft und in vereinzelten, kaum steuerbaren Trabeinheiten. Längere Bewegungseinheiten bekomme ich nicht abgerufen, obwohl es ihm und seiner Konzentration sicher gut täte.
Zudem merke ich, wie schlecht es um Lukas‘ Konzentrationsfähigkeit bestellt ist, wenn er so viel Energie in sich trägt. Er möchte dann mitmachen und sich Leckerli verdienen, ist aber in seinen Bewegungen eher fahrig und unkoordiniert. Die gelegentlichen Explosionen machen die Angelegenheit für mich auch nicht gerade entspannter. Dennoch haben wir heute – im Gegensatz zu Freitag – eine gute Arbeitseinheit geschafft. Insgesamt waren wir etwas über eine Stunde auf dem Platz. Da seine Konzentrationsfähigkeit mit der Zeit immer weiter nachließ, habe ich nur eine halbe Stunde wirklich mit ihm gearbeitet (Mini-Trail mit Slalom, Wegeleitung und 1 Hindernisstange). Den Rest der Zeit hat er grasend verbracht. Nur am Ende gab es nochmal einen kleinen Aufreger. Ich wollte gerade aufhören und habe den Reitplatz aufgemacht, auf einmal hat er seine Freundin und Leitstute Leonie davonreiten gesehen und ist im vollen Galopp auf mich zugekommen. Es sah aus, als wollte er hinter ihr her rennen. Ich habe den Reitplatz schnell wieder zu gemacht. Gerade noch rechtzeitig. Danach habe ich lieber noch etwas gewartet. Und plötzlich ist ein Pferd einer Nachbarin losgeprescht, was Lukas natürlich sofort angesteckt hat. Kurzer Schreckmoment, dann hat er es geschafft, sich zu beruhigen und ging wieder grasen. Und dann kam noch sein erklärter Feind, ein schöner schwarzer Wallach von einer anderen Nachbarin, vorbeigeritten. Natürlich war Lukas sofort wieder angespannt, diesmal hat er aber bei mir Schutz gesucht. Irgendwie niedlich.
Insgesamt ist es gerade schwierig. Ein bisschen Medical Training versuche ich immer wieder einzubauen, aber auch da kommen wir kaum weiter, weil so wenig Ruhe im Stall ist.
