Die Geister, die ich rief

09.11.2025

An diesen Spruch aus dem „Zauberlehrling“ musste ich am Freitag denken. Ich hatte ein Pferd neben mir, das sich nur noch im Trab und Galopp neben mir bewegen konnte, ab und zu aus dem Nichts lossprang und bockend und ausschlagend wegrannte. Aber von vorn.

Ja, inzwischen haben wir wieder eine Zeit, in der es am Freitagnachmittag, bis ich es in den Stall schaffe, schon wieder dunkel wird. Zum Glück gibt es etwas Licht auf dem Reitplatz. Ich wollte gern an zwei Ideen arbeiten. Ich hatte eine Isomatte mitgebracht und wollte mal schauen, ob Lukas sich auf diesen unbekannten Untergrund wagt. Außerdem wollte ich mal ausprobieren, inwieweit er sich darauf einlässt, Bein für Bein kontrolliert über eine Stange zu heben.

Zunächst einmal sah es so aus, als wollte er gar nicht mitarbeiten. Ich warte ja immer, bis er freiwillig aus dem Stall mitkommt und er hat noch eine ganze Weile gefressen, bevor er sich überhaupt bequemte, in Richtung Ausgang zu gehen. Auf dem Reitplatz ist er dann erst mal fressen gegangen. Bestimmt eine Viertelstunde stand ich einfach nur rum und habe gefroren.

Aber dann ging es los. Ich hatte drei Stangen und meine Matte auf dem Platz liegen. Und Lukas war plötzlich voll da. Die Matte stellte für ihn kein Problem dar. Sie wurde untersucht und er stellte sich auch gern – mit Klick und Leckerli verstärkt – darauf. Und über die Stangen ist er auch voller Elan gegangen. Ich glaube, direkt nach dem ersten Durchgang fing er an, das Tempo zu erhöhen und ist plötzlich nur noch im Trab über die Stangen gelaufen und gestolpert. Es wurde immer dunkler und er immer „spritziger“. Einmal ist er plötzlich losgesprintet, ich konnte gerade noch so ein Stück zur Seite springen. Im Nachhinein würde ich sagen, er hat sich in der Dunkelheit nicht wohlgefühlt. Er war die ganze Zeit mit der Aufmerksamkeit bei mir und hat auch gefragt, was er machen soll. Nur war er dabei halt sehr energiegeladen und auch ein bisschen unkontrolliert. Dazu kommt, dass er sich immer sehr nah bei mir hält. Klar, das belohne ich ja auch irgendwie, denn bei mir gibt es die Leckerli.

Jedenfalls habe ich mir am Freitag plötzlich mal den etwas stumpfen, wenig beweglichen Lukas zurückgewünscht. Den Wunsch habe ich natürlich gleich wieder unterdrückt, denn das will ich ja eigentlich nicht. Ich bin froh, dass er Freude an der Bewegung und der Arbeit auf dem Platz hat.

Durch die Erlebnisse am Freitag habe ich für heute entschieden, dass wir vor allem daran arbeiten müssen, dass er sich tendenziell mit mehr Abstand zu mir bewegt.

Heute war es trüb und grau, aber ansonsten war das Wetter sehr unaufgeregt. Zum Glück hat sich das auf mein Pferd übertragen. Er war zwar interessiert und aufmerksam, aber endlich auch mal wieder gechillter als die letzten Tage. Deswegen konnten wir auch endlich mal wieder eine Runde spazieren/grasen gehen, was er sehr genossen hat.

Dann waren wir noch im Roundpen und teilweise auf dem Platz und haben daran gearbeitet, dass er sich tendenziell von mir wegbewegt. Ich habe jede Intention von mir weg belohnt und er hat es auch schnell kapiert und schon recht gut umgesetzt. Daran muss ich dranbleiben.

Ich habe auch eine neue Baustelle entdeckt. Lukas mag sich nicht am Kopf oder Halfter anfassen und festhalten lassen. Bereits die Bewegung mit der Hand nach oben quittiert er durch wegzucken. Das wird das nächste Trainingsziel im Medical Training.

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